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Fish & Meet Part 2
Es war wieder einmal Winter. Die trostlose Zeit des Wartens. Was macht man in dieser Jahreszeit als Karpfenangler? Richtig - entweder zum Karpfenfischen ins warme fahren oder, wenn man eher wenig Zeit besitzt, sich mit Zeitschriften, DVD´s oder einem Forum die Zeit vertreiben. Eines der Foren, in dem ich zu dieser Zeit öfter anzutreffen bin, ist „Karpfen-Spezial“ kurz „KS“. Man tauscht Erfahrungen aus, holt sich Tipps und nebenbei lernt man nette Leute kennen. Wie ich wieder mal vor diesem neumodernen Hexenzeug namens Laptop und Internet in meiner Wohnung sitze, fällt mir ein Posting ins Auge. Da sucht ein junger Herr Gleichgesinnte zu einem illustren Zusammentreffen. Der junge Mensch heißt Christian Graßhoff aka „Grassi“. Er veranstaltet nun zum zweiten Mal das „Fish and Meet“.
Der Gedanke von „Fish and Meet“ ist ein vergnügliches Zusammentreffen, bei dem nebensächlich auch gefischt wird. Dieses Meeting soll ganz ohne jeglichen Erfolgsdruck, Missgunst oder Preisgier auskommen. Am Rande organisierte Grassi eine kleine Tacklevorstellung. Dieses Mal waren die „Nature-Devils“ mit an Board. Sie stellten ihre Version einer Futterschleuder vor und präsentierten eine schöne Alternative zum „Tripod – Wallerfischen“ - das „Single- Wallerpod“.
Der See, an dem gefischt wird, ist jedes Jahr ein anderer. Dieses Mal fiel die Wahl auf einen alten Kiesschacht in Sachsen-Anhalt. Als mir Grassi in einer Vorinformation ein Google - Maps Bild schickte, kam mir der See komisch bekannt vor. Und ja - beim Nachfragen ergab sich, dass es jener See war, den wir genau ein Jahr im Vorfeld (13.07- 18.07) schon einmal befischten. Damals konnten wir in 5 Nächten leider nur einen Fisch (Karpfen) fangen. Ganz anders sah es da mit den Brassen aus. Diese hatten enorme Größen und kamen in Zahlen vor, die man sich als Karpfenangler nicht vorstellen möchte. Wir fanden auch kein wirklich wirksames Mittel gegen diese Biester. Auf zwei bis drei nicht aufgepoppte Murmeln zu setzen war auch keine Lösung. Das Ammenmärchen, dass Brassen keine Tiegernüsse mögen, kann ich ebenfalls gleich richtig stellen. Wir fädelten drei Große auf. Nichts da! Das Ergebnis war immer Brasse. Als nichts mehr zu helfen schien, entschied ich mich für zwei 26mm Murmeln, die quasi auf dem Gewässerboden kleben sollten. Dies brachte mir am Ende den Schlaf und als Bonus noch einen 16,25 Kilo Fisch. Die Entscheidung für diesen Teich fiel wahrscheinlich auch wegen der Größe. Man hatte nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Raum zum Angeln. Mit zu wenig Platz musste ich nämlich beim „Fish In“ von „Karpfenspezial“ (dem Forum) meine Erfahrung machen. Dort hatte jeder für seine zwei Ruten einen 10m breiten Streifen bis zum gegenüberliegenden Ufer, das in etwa 250- 300m Entfernung lag.
Das Gewässer ist sehr abwechslungsreich. Man kann Tiefen zwischen 1m und (ich glaube, es waren) 12m befischen. Es gibt viele Plateaus, Muschelbänke, Schilfzonen und Krautfelder. Der Boden ist größtenteils - wer hätte es erwartet - kiesig.
15. Juli hieß der Anreisetermin. Am frühen Abend trafen vorerst 28 ebenso verrückte Karpfenangler wie ich auf dem Gelände des Fischers, der den See bewirtschaftete, ein. Mein Teamkollege Dirk und einige Andere kamen erst einen Tag später. Dirk war Derjenige, mit dem ich auch ein Jahr zuvor schon hier fischte. Auto um Auto rollte auf den Hof des Fischers. Ein tolles Bild finde ich - ähnlich wie bei den einschlägigen Messeterminen, wo jeder (durch Aufkleber oder sogar Tattoos) seine Passion nach außen tragen möchte.
Nach einer kleinen Rede, dem obligatorischen Teilnehmerfoto und der Verlosung der Plätze gab es erst einmal eine Ordentliche Schale Wildschweingulasch.
Gegen 21:00 bezogen alle ihre Plätze. Einige bauten noch fleißig all ihr Tackle auf, loteten und warfen schon mal die ersten Hände „Brassenfutter“ ;-) ins Wasser. Da am ersten Abend eh noch nicht gefischt werden durfte, traf man sich am „main place“ - dem Badestrand. Ich belud also mein Boot mit Zelt, Liege, Stuhl, ein paar „Genussmitteln“ und zu guter letzt einer Frühstücksbox für den nächsten Morgen. Einige dachten wahrscheinlich: „hää moved der Vogel schon am ersten Abend??“ Moven war natürlich eh nicht erlaubt aber es hat - glaube ich - stark danach ausgesehen. Auf dem Weg konnte auch ich es nicht lassen, - allerdings eher unmotiviert - ein paar Murmeln vor das Schilf am gegenüberliegenden Ufer zu platzieren. Am Strand herrschte Lagerfeuerstimmung. Unter dem Genuss von dem ein oder anderem bewusstseinseinschränkendem Getränk kam eine sehr heitere und für mich unvergessliche Stimmung auf. Muss ich mehr sagen als, ich war um 5:00 auf meiner Liege?
Um 9:00 war dann auch schon wieder Aufstehenszeit. Die ersten „Weisen“, die früh ins Bett gegangen sind, kannten keine Ruhezeiten. Mit mehr oder minder großem Frühstückshunger saß bald der harte Kern vom Vorabend am Strand und bemitleidete sich der Kopfschmerzen und dem leichten Unwohlsein in der Magengegend. Dumm war, dass ich dazu gehörte.
Nach dem „Zurückmoven“ auf meinen Platz begann pünktlich um 12:00 das offizielle Fischen. Ich ließ die ganze Sache eher ruhig angehen … „Dirk ist eh noch nicht da und Lust hast du jetzt auch noch nicht „ sagte ich mir. Mit Dirk machte ich dann eine kleine Tauch-, Erkundungstour. Wir schauten uns noch einmal gemeinsam die Kanten und Plateaus an und entschieden, dass ich meine beiden Ruten sehr flach bei 1,5 m auf die am Vortag gefütterten Plätze in der Schilfbucht lege und Dirk seine einmal auf 6m und die andere auf ein 5m Plateau platzierte. Die großen einzelnen Murmeln vom Vortag konnte man gut ausfindig machen. Ja - sie lagen noch. Ich machte mir jedoch keine weiteren Gedanken, dass ich eventuell einen andern Spot suchen sollte) und ließ die schon gefütterten Kugeln liegen. Ich legte lediglich meine Hakenköder (2x 26mm Bodenköder) dazu und tarnte die Montage mit Sand. Der restliche Tag verging wie im Flug. Man traf sich, unterhielt sich, trank etwas zusammen. Gegrillt wurde natürlich auch wieder. An diesem Abend ging es für uns bzw. mich früher ins Bett.
Um 4:00, die Sonne ging gerade auf, musste ich erst einmal für kleine Königstiger. Als ich dann das nächste Mal wach wurde, hörte ich Dirk rufen „Martin du hast n Biss“. Jetzt hörte ich es auch. (Ich muss sagen, das Wasser in meinen Ohren nach dem Tauchen entwickelt sich langsam zu einem Problem!) Mein RX schrie über den ganzen See (hatte ich wohl nicht wieder leise gestellt). Mitten auf dem See fielen mir die ganzen Leute auf, die vor ihren Zelten standen. Jetzt schien es mir wirklich sehr laut gewesen zu sein… Ups…
Dummerweise flüchtete der Fisch geradewegs in die dicke Schilfwand, vor welcher ich abgelegt hatte. „Shit“ dachte ich. Durch die lange Fahrt war der Fisch inzwischen mindestens 10m im Schilf. Mit mir kamen gleichzeitig Mark und René in der Schilfbucht an. „Hilft alles nix“ sagte ich und sprang in Unterhose und freiem Oberkörper ins flache Wasser. Infolge hatten zumindest die Mücken ihren Spaß. Mark gesellte sich zu mir, um eventuell zu Keschern. Ich bin eigentlich kein Freund von solchen Aktionen, in der die Vegetation leidet aber ich dachte mir, dass der Fisch noch weniger davon profitieren würde. Wir kämpften uns mit aller Vorsicht voran, schoben Halm für Halm beiseite. Plötzlich schoss etwas unter Wasser an uns vorbei. Wir dachen „Shit“ ist das unser Fisch. Nein - zum Glück war das nur ein zweiter Fisch - wahrscheinlich auf der Flucht. Etwa eine halbe Stunde kämpften wir. Dummerweise habe ich in der Hektik meine Birkenstockschlappen vergessen und musste nun auf den ganzen alten, harten und spitzen Halmen laufen. Überhaupt nicht angenehm. Kurzum: mir entwich der ein oder andere, nicht wiederzugebende und ebenfalls nicht jugendfreie Monolog. Dann endlich - nach einigen Kescherversuchen und darauf folgenden Fluchten des Fisches, war er im Netz. Ein Jubelschrei entfuhr uns. Emotionen pur!!! Der war wahrlich erkämpft.
Da die Schilfbucht neben dem Strand lag, übergab ich Grassi, der ebenfalls nachgekommen war, den Fisch und holte Dirk, der schon ganz aufgeregt am anderen Ufer wartete. Nach dem Wiegen und ein paar Fotos wurde er auf offenem Feuer gegart... Nein natürlich nicht. Er entglitt mir leider bei der Fotosession ;-). 14 kg wog der Bursche, der uns das Leben schwer machte und den ganzen See weckte.
Am frühen Nachmittag wurde uns die Gelegenheit gegeben, es der Futterschleuder von den Nature – Devils mal so richtig zu geben. Jeder durfte mal etwas in ca. 80m Entfernung - soweit schoss das Monstrum - katapultieren. Das „Waller - Singlepod“ ist, wie ich finde, eine große Bereicherung für das Wallerfischen - sehr stabil und gut überdacht. Als dann noch einer der Jungs ins Schlauchboot + Motor stieg und Wallerbiss + Drill simuliert wurden, war der Funfaktor auf dem Siedepunkt.
Den Abend ließen wir ruhig bei einem kühlen Blonden und Fleisch vom Grill ausklingen. Grassi kam noch einmal vorbei und vergewisserte sich, dass alles in Ordnung ist. Ein skurriles Bild, wie im Schein der Atropas der ganze See einer Landebahn für Jumbos glich. Die Nacht verlief ruhig bis auf einen Aussteiger bei den „Harzer“ Jungs. Ach nein. Brassen fingen die Anderen auch in dieser Nacht wieder sehr gut. Wir blieben bei dieser Session dank unserer Big Balls ohne schleimigen Besucher.
Um 12:00 am nächsten Tag hieß es dann „Ende Gelände“. Alle trafen sich noch einmal und man verabschiedete sich.
Resümee: Gelungene Veranstaltung, gelungener Veranstalter - Ich würde, wenn die Zeit passt, immer wieder zusagen!
Grüße Martin
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